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Machtmissbrauch in der spirituellen Szene Die Szene ist verdreckt

*Triggerwarnung*

Dieser Artikel enthält sensible Inhalte, die bei Menschen mit Trauma-Erfahrungen unangenehme Erinnerungen oder emotionale Reaktionen auslösen können. Bitte sei Dir bewusst, dass in diesem Artikel Themen wie emotionaler oder körperlicher/sexueller  Missbrauch behandelt werden, die möglicherweise belastend sein könnten. Wenn Du Dich unwohl fühlst oder das Gefühl hast, dass diese Inhalte für Dich nicht geeignet sind, sei bitte achtsam mit Dir und lies diesen Artikel ggf. nicht (weiter).

 

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Immer wieder hört man bedauerlicherweise von Fällen von Machtmissbrauch in der spirituellen Szene*. Über die Jahre sind mir da so einige große und kleine Namen - öffentlich in der Presse genannt oder heimlich ins Ohr geflüstert - begegnet. Und die Frage warum das so ist, die treibt mich um.

In solch einem Umfeld könnte man doch meinen sei ein anderes Level an Bewusstheit und moralischen Idealen vorhanden. Da sind doch lauter Menschen, die über die Liebe, die Einheit mit dem Universum, spirituelles Erwachen und ähnliche tolle Dinge sprechen. Und dann ist da so wenig Substanz dahinter? Nur heiße Luft? Oder gibt es zwar Substanz aber auch heiße Luft, also beides zugleich?

Das Trügerische ist auf jeden Fall, sich in solch einem Umfeld sicherer zu fühlen, weil doch alle auf dem „Weg zum Licht“ sind und das Gute wollen. Das kann aber wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann ganz schön gefährlich werden.

Gut und schlecht zugleich Die dunkle Seite des Lichts

Die große Frage für mich ist, wieso Menschen, die viel Gutes in die Welt bringen, irgendwann beginnen Schlechtes hervorzubringen. Wieso kippt es manchmal plötzlich? Oder war da schon immer auch Schatten neben all dem Licht? Nur nicht so offensichtlich?
Dieser Aspekt beschäftigt mich mehr als die Tatsache, dass es natürlich auch Menschen gibt, die von Anfang an nichts Gutes im Sinne hatten und nie haben werden.

Gut und schlecht zugleich, das ist für die meisten von uns schwer auszuhalten. Wir haben es gerne einfach, schwarz ODER weiß. Und nicht so eine graue Mischsuppe.

Was ist für diese Menschen so verführerisch daran Macht zu missbrauchen?
Stehen sie zu sehr auf einem Podest und niemand sagt ihnen mehr ordentlich die Meinung oder gebietet ihnen Einhalt? Sind sie selber gewahr was sie tun oder passiert es „versehentlich“?
Ist es einfach so, dass da wo Licht ist auch Schatten ist?
Zieht viel Licht auch mehr Schatten an? Oder macht den Schatten sichtbarer?

Vielleicht ist es so wie in der Natur, bei Läusen zum Beispiel. Die vermehren sich exponentiell bis sie einen Punkt überschritten haben, und dann löschen sie sich fast aus. Ist das einfach der Lauf der Dinge? Und der Wunsch nach stabiler Liebe und Wachstum ohne Missbrauch ein naiver Wunsch?

Auf der Suche Leichte Opfer

In spirituellen Communities und bei alternativen Heilverfahren tummeln sich viele Suchende, wie ich sie nennen mag. Damit meine ich Menschen, die sich Heilung wünschen, die ihr Leben verändern wollen, die ihren Platz in der Welt finden möchten. Und eben auf der Suche danach sind.

Die Dichte an traumatisierten Menschen ist in diesem Umfeld besonders hoch. Denn oftmals sind es unsere Verletzungen, die uns auf die Suche gehen lassen. Es liegt daher eine besondere Verletzlichkeit, ein besonderer Hunger nach Heilungsmöglichkeiten, Heilversprechen und Erklärungen jeglicher Art vor. Und damit leichte Beute für Menschen, die sich daran bereichern möchten. Auf welche Art auch immer. Wissentlich oder unwissentlich.

(Re-)Traumatisierung Die traurige Realität

Immer wieder kann man im spirituellen (New-Age) Umfeld erleben wie Menschen auf schädliche Praktiken hereinfallen. Wie viele Klienten und auch Freunde und Bekannte habe ich erlebt, die sich in ihrem unbändigen Wunsch nach Heilung und Freiheit auf die übelsten Sachen eingelassen haben.

Shibari Sessions die außer Kontrolle geraten und gewaltvoll geworden sind, Tantra Massage Sessions die zu ungewolltem Geschlechtsverkehr führten, Stealthing (hier findest Du einen Blog-Artikel von mir dazu), Vergewaltigungen (unter Drogen und ohne), Ayahuasca oder Kambo Trips in fraglichen Settings um nur einige zu nennen. Von emotionalen Verstrickungen, Manipulation, Gaslighting und „schwarzer Magie“ gar nicht zu sprechen. Statt Befreiung ist das Fazit dann leider oft (Re-)Traumatisierung. Und das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

„Habe Sex mit dem Guru und du bist von allen Sorgen befreit.“ So oder ähnlich lautet die Botschaft, die einem aus so mancher (Tantra-) Gemeinschaft entgegen wehen kann. Und der „Guru“ empfängt eine junge Frau nach der anderen bei sich zu Hause. Nicht wenige Frauen gehen traumatisierter daraus hervor als zuvor. Auch mir wurde einmal bei einer Audienz des „Gurus“ Sex als Heilungsmittel angeboten. Es war verlockend dadurch alle Sorgen los zu haben, doch glücklicherweise antwortete ich mit „nein, danke.“

Die Bedeutung von professioneller Ethik Die Verantwortung des Lehrers

In vielen dieser Fälle wäre es die Verantwortung des „Lehrers“ gewesen, die Verletzlichkeit der sich ihm anvertrauenden „Schüler“ nicht auszunutzen, das Beste für sie zu wollen, ihre Unversehrtheit, ihre eigene Autonomie zu stärken, den eigenen inneren „Guru“ zu erwecken. Und nicht die naive, hoffnungsvolle, verletzliche Seite zur eigenen Bedürfnisbefriedigung zu benutzen.

Eine therapeutische Sitzung dient niemals der persönlichen Trieb-, Ego- oder was auch immer Befriedigung. Sie sollte immer ein geschützter Raum sein. Das ist leider noch nicht bei allen Therapeuten, Heilern und Lehrern angekommen. Oft auch nicht im Ausbildungs-Curriculum. Erst recht nicht bei den selbsternannten Therapeuten und Heilern, die ohne jede Ausbildung oder Selbsterfahrung direkt loslegen. (Und ja, es gibt zum Glück auch wunderbare Ausnahmen. Und ja, auch ein Zertifikat ist noch keine Garantie für Qualität, aber eine gute Grundlage)

Eigenermächtigung Die Verantwortung des Schülers

Um das Dilemma von allen Seiten zu beleuchten und wieder in die Eigenermächtigung zu gehen ist es für mich wichtig auch zu schauen, was in der Verantwortung des Schülers liegen könnte. In meinen genannten Beispielen könnte man es so sehen, dass die geschädigten Frauen (und Männer) ihren Teil dazu beigetragen haben, indem sie die Verantwortung für ihren Heilungsweg einfach abgegeben haben, sich eine Abkürzung erhofft haben, nicht mehr kritisch geprüft haben. Oder sogar einen Widerstand gespürt haben, aber dachten „das ist ja nur weil ich so traumatisiert bin/ falsch bin.“ oder „Er wird es schon besser wissen.“

Leider typische Muster, wenn schon Verletzungen oder Traumata vorliegen. Umso vertrackter sich durch solche Situationen gut hindurch zu manövrieren und sich zu schützen. Je nach Vorgeschichte teilweise ein Ding der Unmöglichkeit. (Die gute Nachricht: es ist erlernbar :-)!)
Wo wir wieder bei der grundlegenden Verantwortung des Lehrers/Heilers für eine gesunde (therapeutische) Lehrer-Schüler-Beziehung landen.

Die Bedeutung des Umfelds Die Normalisierung von Missbrauch

In einem Umfeld, in dem Missbrauch normalisiert und bagatellisiert wird, ist es sehr schwer den eigenen Weg zu gehen und bei destruktiven, aber allgemein gängigen Praktiken nein zu sagen. Auch wird der destruktive Aspekt ja meist nicht vorher angekündigt.

Beschämungen und Manipulation wie „du bist noch nicht so weit“,  "konzentriere dich auf Gott/dein Erwachen“, „deine Gefühle sind Quatsch“ sind bei Aufbegehren häufige Folgen. Ein Umfeld, das die Täter deckt sorgt dafür, dass das Unnormale zur Norm wird. Wie soll man da einen klaren Kopf behalten?

Die Spreu vom Weizen trennen Manipulation erkennen

Es ist schwer die Spreu vom Weizen zu trennen. Was ist seriös und hat Hand und Fuß und ist ohne Manipulation? Was ist von Liebe geleitet (wirklicher Liebe, nicht nur Lippenbekenntnisse) und was ist reine Scharlatanerie? Was schadet mir und was tut mir gut und bringt mich weiter?

Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, wie Machtgefälle und Abhängigkeiten funktionieren. Wir sollten uns immer wieder auf Augenhöhe bewegen, Verantwortung übernehmen und unsere eigene Intuition nutzen, um den für uns richtigen Weg zu finden.

Daher achte auf Warnsignale und prüfe für Dich:
Hast Du Entscheidungsfreiheit?
Wirst Du in Deinen getroffenen Entscheidung dann auch unterstützt?
Darfst du überhaupt anderer Meinung sein?
Darfst du jederzeit Stopp sagen und aussteigen?
Wirst du in deinen Gefühlen ernst genommen?
Geht es dir besser oder schlechter in der Anwesenheit dieser Leute?
Entscheidest du aus DIR heraus oder wird dir von aussen gesagt, was gut für dich ist?
Suchst du verzweifelt nach DER Abkürzung und bist empfänglich für Versprechungen jeglicher Art?

Die Herausforderungen der Selbstreflexion Schattenarbeit ist essentiell

Spirituelle Communties auf der ganzen Welt kommen immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit wegen Missbrauchsvorwürfen.
Wiederholt wird diese zutiefst menschliche Seite des Versagens, des Ausnützens, des haben Wollens, der Gier sichtbar.

Was wir daraus lernen können? Wenn wir uns nicht um unsere Schattenanteile kümmern, übernehmen sie die Führung. Kein Mensch ist frei von diesen Dingen. Aber es ist gut sich selbst darin zu kennen, um diese Anteile in sich zu wissen. Um sie zum Licht leiten zu können. Um sie zu spüren und sich dennoch für die Liebe entscheiden zu können.

Im Kleinen kennt ja jeder die Nicht-Liebe: unfreundliche Worte zum Partner, Härte mit sich selbst, Ausagieren von Wut und anderen Gefühlen an Nahestehenden, Manipulation um zu bekommen was man möchte, Meckern und Kontrolle, Neid und Missgunst,…

Die Quintessenz Liebe ist eine Entscheidung

Liebe ist eine Entscheidung. In jedem Moment wieder haben wir die Möglichkeit dazu.
Daher nutze die Möglichkeit. Entscheide dich. Für die Liebe.

Beginne bei Dir.
Sei liebevoll mit Dir.
Wähle mit Liebe, was Dir gut tut.
Zwinge Dich zu nichts,
stehe immer zu Dir,
und lade die Liebe immer wieder ganz bewußt zu Dir ein.
Und wenn Dein Bauchgefühl sagt da stimmt was nicht, dann nimm die Füße in die Hände und laufe davon.
Lass dir von niemandem sagen, du bildest Dir das nur ein, oder es sei in Ordnung so, wenn es sich anders anfühlt.
Mach Dich nicht kleiner als Du bist und gib Deine Macht nicht nach außen ab.

Erkenntnisse Mein Resümee

Es gibt wohl leider überall schwarze Schafe. In der katholischen Kirche genauso wie in der normalen Gesellschaft, unter Polizisten, Köchen, Ärzten, Anwälten und Kindergärtnern. Und auch in uns selbst. Es gibt ÜBERALL auch UNLIEBE. Und daher sind auch Orte, die sich der Liebe verschrieben haben, wie spirituelle Gemeinschaften, nicht ausgenommen. Nur weil viel von Liebe gesprochen wird heisst es nicht, dass Liebe auch praktiziert wird.
Die Enttäuschung darüber ist an diesen Orten nur größer, weil sie sich nach außen anders präsentieren.

Und vielleicht leuchten dunkle Stellen umso mehr heraus, je mehr Licht in und um einen steht.
Vielleicht sind diese Stellen auch noch verheerender und machtvoller, weil sie sich so lange noch gegen das Licht halten konnten. Da muss ja dann ganz schön Wumms dahinter stecken. Und blinde Flecken, in denen sie sich ungeniert verstecken können.
Vielleicht ist es auch so, dass durch viel positive, lichtvolle Macht im System kleinere, dunkle Stellen wie mit-potenziert werden.
Und oft betreffen die Konsequenzen von Nicht-Liebe in machtvollen Positionen eben nicht nur das unmittelbare Umfeld, sondern gleich sehr viele Menschen.

Als Lehrer oder Therapeut ist es entscheidend die Macht immer wieder an den Klienten zurück zu geben. Sich nicht aufs Podest zu stellen oder stellen zu lassen. Sich menschlich zu zeigen mit allen Facetten. Um sich auf Augenhöhe zu begegnen. Und sich gewahr zu sein, über die besondere Dynamik** und die damit einhergehende Verletzlichkeit, die einfach durch die unterschiedlichen Rollen als Lehrer und Schüler gegeben ist.

Bleibe wachsam und vertraue auf Deine innere Führung Mein Appell an Dich

Mein Appell an Dich ist daher wachsam zu sein, Dir der Dynamiken bewusst zu sein und ihnen offensiv zu begegnen.
Rutsche Dich selbst immer wieder auf Augenhöhe hoch, gib die Verantwortung nicht einfach komplett ab. Denke mit, rede mit, frage, lass Dir erklären und prüfe die Sinnhaftigkeit für Dich. Vertraue Dir und Deinen Gefühlen mehr, als jemandem der sagt (oder Dir das Gefühl gibt), du würdest übertreiben, zu empfindlich sein, solltest Dich nicht so anstellen.
Lasse Dich nicht aus Bequemlichkeit hinreissen, Deine Macht abzugeben, den anderen aufs Podest zu stellen und zu idealisieren. Verantwortlichkeit kann ja manchmal auch anstrengend sein. Aber gib der Verlockung nicht nach, lass Dich davon nicht täuschen. Über kurz oder lang fällt es Dir auf den Fuß.
Nur Du hast alle Informationen, die es braucht in Dir zusammen. Nur Du weisst, was Du brauchst, was genau JETZT für Dich stimmig ist.
Höre auf Dein Herz, Deine Intuition. Sie wird Dich gut ans Ziel bringen.

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Möge ich immer auf dem rechten Weg bleiben und Licht und Liebe in die Welt geben.
Mögen sich meine Schattenanteile in Liebe transformieren.
Für mich und alle.

*Unter spiritueller Szene fasse ich einfach mal alles bunt zusammen, von Yoga, Tantra, psycho-spirituellen Angeboten, New-Age-Bewegung oder auch alternativmedizinischen Heilungsangeboten und anderen Glaubensgemeinschaften.

**Das selbe gilt immer dann wenn ein Macht-, Wissens- oder Erfahrungsgefälle vorliegt. Wenn Abhängigkeiten bestehen. Einer angewiesen auf die Unterstützung und den Rat des anderen ist.

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Eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Punkten, wie Du gut für Dich sorgen kannst findest Du hier.
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